Predigt 01.07.2007 Joh. 8, 3-11

Einleitung

Man mag über Gerhard Schröder, früher Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, denken, was man will. In einer Hinsicht waren er und sein Kabinett absolute Spitze und werden es wohl auch in absehbarer Zeit bleiben. Zählt man die Anzahl der Ehescheidungen zusammen, auf die es er, sein Vizekanzler Fischer und sein Kabinett so brachten, dann kommt eine wirklich beeindruckende Zahl heraus.

Noch zu Helmut Kohls Zeiten war es undenkbar, dass jemand ohne nach aussen intaktes Familienleben Bundeskanzler würde und so erregte der Umstand, dass Schröder und Fischer so viele Ehefrauen verschlissen hatten, auch durchaus einiges an Diskussionen. Die einen feierten dies als Sieg der Ehrlichkeit und des Realismus, die anderen sahen dies als moralischer Niedergang der Bundesrepublik und als endgültige Abkehr von einer Politik, die die Familie in den Mittelpunkt stellt.

In gewisser Weise hat unser heutiger Predigttext mit diesem Thema zu tun. Wie sehen wir Sünde und wie reagieren wir darauf, persönlich und als Gesellschaft? Der Predigttext ist die sehr bekannte Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin. Sie steht in Johannes

Predigttext

Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6 Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? 11 Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.

Diese Geschichte ist sehr bekannt. Sie wird oft und gerne gehört und erzählt, drückt sie doch aus, wie Jesus uns trotz unserer offensichtlichen Sünden nicht verurteilt. Dies wird natürlich auch der Mittelpunkt in meiner Predigt sein, aber die Bekanntheit der Geschichte ermöglicht es mir, ein paar tiefer gehende Fragen zu stellen. In der Geschichte steckt mehr als diese eine zentrale Quintessenz. Dies möchte ich in vier Punkten erläutern.

1. Eine Sünderin überführt

Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben eine Frau im Schlepptau, eine Sünderin. Die Tat ist klar und kann nicht geleugnet werden, die Frau ist eine Ehebrecherin, sie wurde auf frischer Tat ertappt. Das Urteil ist auch schon gesprochen, die Frau sollte gesteinigt werden, ein Vorgang, der zumindest zu sehr schweren Verletzungen führte, oft zum Tod. Es ist etwas, was früher, anonym und ohne dass die Weltgeschichte darum weiss, wohl öfter passiert ist. Hintergrund ist hier das dritte Buch des Mose, Kapitel 20, Vers 10, in dem es heißt: Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.

Doch wie vielleicht oft in der damaligen Zeit, werden hier nicht beide Beteiligte angeklagt und mit dem Tod bedroht, sondern nur die Frau. Was mit dem dazugehörigen Ehebrecher ist, darüber lässt sich die Bibel nicht aus, er wird noch nicht einmal erwähnt. Die Frau jedoch taucht aus der Anonymität der Geschichte auf, weil diesmal nicht das Urteil einfach so vollstreckt wird, sondern weil die Pharisäer die Frau zu Jesus bringen, dem Herausforderer, dem Wundertäter. Warum? Johannes sagt, um einen Grund zu finden, Jesus anzuklagen. Wieso aber kann dieser Vorgang als Vorwand dienen, Jesus anzuklagen?

Die Pharisäer und Schriftgelehrten der Zeit Jesu waren alle besonders Gesetzes-orientiert. Es gab sehr verschiedene Strömungen und Meinungen, wie das Gesetz auszulegen war, mit heftigen Gegensätzen zwischen Pharisäern, Saduzäern, Essenern oder Zeloten. Sie alle übten die Freiheit, die die Römer ihnen ließen, aus und die sie in politischer und militärischer Hinsicht nicht hatten. Sofern religiöse und glaubensmäßige Dinge betroffen waren, konnten die Völker selbst bestimmen und konnten auch so etwas wie den hohen Rat bilden, der eigentlich nur eine religiöse Befugnis hatte, aber in der Praxis auch sehr viel politischen Einfluss ausübte.

In so einer Situation war es normal, dass sich die Menschen auf das von Mose gegebene Gesetz konzentrierten und auch und gerade dieser Passus über die Ehebrecher, die aus dem Volk auszurotten waren, erfreute sich einiger Beliebtheit. Ein Menschenleben war damals wenig wert und Ehebruch ein weit verbreitetes Übel. Und so kam es, dass alle Gesetzestreuen Vertreter diese Strafe ernst nahmen und jeder, der das Wort Gottes auslegte, musste sich mit diesem Teil auseinandersetzen, auch Jesus. Und eigentlich waren die Vorschriften klar und eindeutig. Insofern war es ein einfacher Test der Gesetzestreue, die die Pharisäer hier von Jesus forderten. Würde er ihnen zustimmen und die klaren Worte des Mose beachten?

2. Eine freie Entscheidung

So bringen die Pharisäer diese Frau zu Jesus, die Menschen haben die Steine schon in der Hand. Und Jesus wird gefragt, wie sein Urteil lautet. Sagt er "steinigt sie" stellt er sich auf die Seite der Pharisäer und kann von ihnen auch in Zukunft vereinnahmt werden. Sagt er "steinigt sie nicht", kann er angeklagt werden, der Schrift nicht zu folgen und in so einer Situation ist es nicht schwer, die schon aufgehobenen Steine in eine andere Richtung fliegen zu lassen. Doch wie immer in so einer Situation, wendet Jesus das Blatt. Er kontert mit dem berühmten Ausspruch "wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Auf diesen Spruch komme ich gleich noch zu sprechen, aber währenddessen passiert etwas merkwürdiges. "Jesus schreibt wie unbeteiligt im Sand". Irgendwie wirkt Jesus abwesend, nicht interessiert, wieso? Liegt Jesus an dem Schicksal der Frau so wenig? Warum diese ungewöhnliche Reaktion.

Die Frage von Jesus geht sehr tief. Wir als Christen kennen die Antwort auch aus jahrelanger Übung. Keiner ist ohne Sünde und daher dürfte auch keiner den ersten Stein werfen. Aber wir haben es hier mit Juden zu tun, Menschen, denen die Einhaltung der Gebote als das Wichtigste überhaupt von klein auf eingeimpft wurde. Dabei wird aus dem neuen Testament immer wieder deutlich, dass es oft die äussere Erfüllung der Gebote, der fromme Schein, war, der von den Menschen wichtig erachtet wurde.

Das ist auch kein Wunder und ganz normal. Wirst Du gezwungen, etwas zu sein, was Du nicht sen kannst, dann wirst Du entweder an dem Widerspruch verzweifeln oder irgendwann anfangen, Deine Umwelt systematisch zu belügen, indem Du immer wieder den schönen Schein hervorkehrst. Aber um in diesem Spiel des Lügens erfolgreich und besonders gut zu sein, bedarf es noch einer Steigerung. Erst wenn Du anfängst, Dich selbst zu belügen, wenn Du vor lauter Maske, Dein eigentliches Ich selbst gar nicht mehr wahrnimmst, erst wenn Du selbst mit vollster Überzeugung zu Dir sagen kannst "Ja, ich mache alles richtig", erst dann kannst Du auch nach aussen wirklich überzeugend genau diesen Schein vertreten.

Und so wäre es kein Wunder gewesen, wenn in der Menge der Pharisäer einige dabei gewesen wären, die sich selbst schon so lange belogen hätten, dass sie auf die Frage "Bist Du sündig" mit voller Überzeugung "Nein" geantwortet hätten. So einen Menschen von seiner spontanen Reaktion abzubringen hätte erfordert, dass dieser wirklich einmal ehrlich und offen in den Spiegel schauen würde.

Insofern ist das wirkliche Wunder in unserer Geschichte, dass die Menschen von selbst alle zu dem Schluss kommen "Ja, auch ich habe gesündigt, auch ich müsste eigentlich bestraft werden nach dem Gesetz". Und dass Jesus ein so merkwürdiges Verhalten an den Tag legt, macht dieses Wunder erst richtig deutlich. Denn sich selbst zu belügen, wenn jemand wie Jesus einem in die Augen schaut und diesen wissenden, durchdringenden Blick aufsetzt, das ist schwer. Aber genau das will Jesus ja gerade nicht. Jesus schreibt in den Sand, er ist unbeteiligt, er blickt niemanden an und setzt niemanden unter Druck. Jeder kann die Antwort in sich selbst finden. Und erstaunlicherweise kommen sie alle zu demselben Ergebnis, erst die Älteren, die schon ein wenig Lebensweisheit angesammelt haben und dann die Jüngeren. Sie alle lassen ihre Steine fallen und gehen davon.

Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass bereits Jesu Anwesenheit und Nähe diese Selbsterkenntnis wachsen lässt, die notwendig ist, um einen solchen Schritt zu tun. Aber Jesus war es wichtig, dass in dieser Situation jeder selbst auf die Wahrheit kommt. So denke ich, wird es auch sein, wenn wir dereinst vor Gericht stehen. Da braucht kein Gerichtsdiener unsere Taten verlesen, da benötigt man kein Buch, in dem unsere geheimen Sünden aufgezeichnet sind. Wenn wir in der Nähe Gottes sind, werden wir selbst darauf kommen, wo wir gefehlt haben und die grössten Ankläger, die wir dann finden werden, werden wir selbst sein.

3. Ein Gott der sich abhängig macht

Der dritte Punkt in unserem Text, über den man nachdenken sollte, ist die Frage, warum sich Gott abhängig macht von dem Urteil von Menschen. Die Pharisäer kommen zu Jesus und er stellt ihre Autorität, ein Urteil zu fällen, nicht in Frage. Im Gegenteil, durch seinen Satz "Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", macht er sich gerade von der Fähigkeit der Selbsterkenntnis der Pharisäer abhängig. Noch deutlicher wird dies am Ende, wo er der Frau sagt "So verurteile ich dich auch nicht".

Mit anderen Worten, Gott hängt sich mit seinem Utrteil an Menschen. Dies wird auch an einigen anderen Stellen in der Bibel deutlich, beispielsweise bei Abraham, der nur zehn Gerechte in Soddom und Gomorrha finden braucht, um das Urteil Gottes abzuwenden, oder bei Jesu Ausspruch an die Jünger "Was Ihr bindet, wird auch im Himmel gebunden sein, was Ihr trennt, wird auch im Himmel getrennt sein".

Die Kehrseite dieser Abhängigkeit, die Gott eingeht, ist die ebenso öfter vorkommende Warnung Gottes vor falschem Urteilen. Jesus sagt zu seinen Jüngern ja ebenso "so wie ihr über andere urteilt, so werdet ihr beurteilt werden" und auch im Glaubensbekentnis sprechen wir "Vergib uns unsere Schuld, so wie wir vergeben unseren Schuldigern".

Aber trotz dieser Kehrseite mutet es merkwürdig an ein Gott,der sich an die Urteile von Menschen bindet. Denn die Urteile von Menschen können falsch sein. Wieso macht Gott so etwas?

Solche "Warum"-Fragen sind in der Regel nicht beantwortbar, denn die Bibel gibt uns hier nur in ganz wenigen Ausnahmefällen einen Hinweis. Auch bei den Stellen, wo sich Jesus oder Gott vom Urteil anderer abhängig macht, gibt es keine Erklärung für Jesu Verhalten und daher haben wir nichts in der Hand, um zu einer Antwort zu kommen. Ich kann mir nur eine mögliche Erklärung vorstellen: Die Liebe Gottes für seine Geschöpfe.

Wenn man jemanden liebt, so nimmt man ihn in vollem Umfang ernst. Wenn zum Beispiel ein kleines Kind zu seinen Eltern kommt mit einer Meinung und einer vielleicht sehr merkwürdigen Argumentation, dann tut man das auch nicht so einfach ab, sondern versucht das, was das Kind sagt oder meint, aus dessen Perspektive zu sehen. Und in so einer Perspektive werden auch merkwürdige Ansichten zu ernst zu nehmenden Überlegungen.

So waren auch die Pharisäer die Kinder Gottes, und keine schlechten obendrein. Denn das immer wiederkehrende Motiv der Pharisäer war die Furcht Gottes, war das ernsthafte und vollständige Bemühen, den heiligen Gott ernst zu nehmen und seine Gebote bis ins letzte zu befolgen. Wie Menschen nun mal sind, konzentrierte sich das Bemühen zu viel auf Äusserlichkeiten, brachte es die Pharisäer auch dazu, die Mitmenschen kontrollieren und zwingen zu wollen, aber dennoch, es war ein Bemühen, Gottes Wort zu folgen. Und daraus hatten die Pharisäer eine durchaus auch vor Gott reale Autorität bekommen. Sie waren die geistigen Führer, die die Gott gerne als Hirten gebrauchen würde.

Dies ist ähnlich wie bei der staatlichen Autorität. Auch diese ist von Gott eingesetzt und hat Gottes Rückhalt, selbst wenn diese staatliche Autorität ihre Macht mißbraucht. Christen sollen die staatliche Autorität respektieren und deren Gesetze befolgen, so lange diese nicht direkt die Autorität Gottes herausfordern. Und so hatten die Pharisäer ihre Rolle und das durchaus mit dem Willen Gottes. Dass sie diese Rolle überzogen und zu viele falsche Urteile fällten bzw. in der Anwendung der Gesetze immer wieder Schlupflöcher für sich selbst entdeckten, das ist erst in zweiter Linie wichtig. Darum negiert Jesus die Autorität der Pharisäer nicht, darum macht er sich von ihrem Urteil abhängig. Aber er sieht auch zu, dass dieses Urteil letztlich auf die Basis gestellt wird, die Gott vorgesehen hat.

Denn es geht nicht um das blinde Befolgen von Gesetzen, es geht um die Einsicht in die Schwäche des anderen und um die Liebe. Und die sagt eben, wenn Du selbst so schwach und unfähig bist, den Willen Gottes zu befolgen, dann sei in der Beurteilung von Anderen demütig und nachsichtig.

4. Eine Sünde vergeben

Und so müssen die Ankläger einer nach dem anderen gehen, ihre Steine fallen lassen und die Frau dort lassen, wo sie hingehört in die Hand Gottes. Und Jesus, der einzige, der sich durch den Ausspruch "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" nicht aufhalten lassen müsste, der sagt "so verurteile auch ich dich nicht. Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr". Die Sünde ist vergeben, die Sache ist vergessen.

Vergeben ja, vergessen nein. In unserem Text wird nicht erwähnt, ob die Frau sich denn an den Ratschlag Jesu hält und nicht mehr sündigt und welche Folgen ihr Ehebruch sonst noch hat. Denn dass sie mit dem Leben davongekommen ist, heisst ja nicht, dass die Verletzung der Gefühle, die sie damit erzeugt hat, geheilt ist. Sie kehrt nach Hause zurück, aber ihre Sünde ist ja trotzdem öffentlich geworden. Ihr Mann und ihre Familie werden davon hören, wie werden sie reagieren? Die Nachbarn werden sich die Geschichte erzählen, wie wird sie angeschaut werden? Die Menschen haben sie nicht gesteinigt, Jesus hat ihr vergeben, aber ausgestanden ist die Sache noch lange nicht.

So erfahren auch wir unsere eigene Sünde oft. Die unmittelbare Reaktion ist vorbei, wir haben Vergebung erfahren, sei es von Gott, sei es von den Betroffenen. Aber die Folge unserer Sünde belastet uns weiter und kann am Ende genauso schrecklich werden, wie die unmittelbare Strafe selbst. Wenn die Ehebrecherin aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird, wenn ihr Mann sie verstösst, die Nachbarn sie meiden, sie vielleicht das Sorgerecht ihrer Kinder verliert und so weiter, dann wird sie sich vielleicht wünschen, dass ihr damals bei Jesus nicht vergeben worden wäre. So bekommt sie die Chance, ihre Sünden zu bereuen, vielleicht sogar daraus zu lernen, aber ob das der glücklichere Weg ist, das wissen wir nicht. Alles was wir wissen ist, dass es schwer sein kann, lange Zeit mit den Folgen einer Sünde zu leben.

Aber dies ist menschliche Reaktion, von Gott aus ist die Sache vergeben und auch vergessen. Doch wieso vergibt Jesus die Sünde so einfach. Die Tat ist geschehen, das Gesetz ist gebrochen. Ist es nicht ungerecht, wenn hier jemand mit so etwas davonkommt, wo andere sich Bemühen, wenigstens in diesem Punkt den Willen Gottes zu befolgen. Und ist diese Frau nicht genauso wie die Pharisäer, die Jesus oft angegriffen hat, wegen ihres Egoismus, wegen ihrer Scheinheiligkeit, wegen ihrer inneren Unreinheit? Auch Ehebruch erfolgt in einem Umfeld von Lüge, mindestens dem eigenen Ehepartner gegenüber. Auch Ehebruch ist Egoismus, denn man stellt das eigene Begehren über die Gefühle des Partners. Warum attackiert Jesus also die Pharisäer, aber hier vergibt er der Frau, einfach so?

Wir wissen es nicht, denn wir kennen die Umstände nicht. Warum hat die Frau Ehebruch begangen. Wie sah ihre Beziehung zu ihrem Mann aus? Was ist mit dem Mann, mit dem sie Ehebruch begangen hat und der hier nicht einmal erwähnt wird? Was fühlte die Frau, als sie dem Tod entgegensah, was als sie erkannte, dass sie noch einmal davon gekommen war? All das sind Dinge, die man für eine echte Beurteilung wissen müsste und die wir nicht wissen. Wir können davon ausgehen, dass Jesus all diese Dinge wusste und dass er deswegen oder trotzdem die Frau nicht verurteilt.

Für uns ist die Geschichte wichtig, weil sie uns Hoffnung gibt. Genauso wie die Frau stehen wir mit unseren Schwächen und unseren Sünden vor Gott. Genauso wie die Frau, sehen wir dem Tod in die Augen. Genauso wie die Frau, haben wir nichts in der Hand, mit dem wir das Urteil abwenden könnten. Und genauso wie die Frau sind wir auf das Erbarmen Gottes angewiesen. Und da macht es Mut zu sehen, wie Gott vergibt.

Und es ist wichtig, dass dieses Vergeben nicht nur am Ende kommt, nicht nur vor dem Endgericht ausgesprochen wird, wenn Jesus für uns eintritt. Es ist wichtig, dieses Vergeben schon hier und heute zu erfahren, selbst wenn die Gefahr besteht, dass die Folgen unserer Sünde uns noch lange belastet. Denn nur so erhalten wir die Möglichkeit zu lernen, auch zu lernen, wie man mit Leid umgeht. Es ist eine Erfahrung, die ich keinem wünsche, die man sich selbst nicht wünscht, aber ich bin froh, dass es Menschen gibt, die sie gemacht haben. Denn wir benötigen solche Menschen als Seelsorger, als erfahrene Ratgeber als Menschen, die nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herz helfen können.

Und so hinterlässt unser Predigttext eine sehr zwiespältige Reaktion. Die Geschichte macht uns Hoffnung, sie zeigt, wie Gott vergibt und wie auch wir die Möglichkeit auf Vergebung haben. Aber verstehen können wir sie im Grunde nicht. Gott bleibt der Souverän, der der allein entscheidet, ohne dass wir ihn für uns vereinnahmen können. Und genauso, wie die Strafe keine automatische Konsequenz aus dem Gesetz ist, genauso ist die Gnade keine automatische Konsequenz aus der Liebe Gottes. Gnade kann nicht eingefordert werden. Aber Gnade kann verschenkt werden und wenn wir sie erfahren, dann ist es ein Geschenk, das wir als solches auch betrachten und annehmen sollten.

Amen

 

Abendmahl

Wir wollen nun zusammen das Abendmahl feiern. Jeder ist dazu eingeladen, der sich zum Herrn Jesus bekennt und an ihn glaubt. Ich lese dazu die Einsetzzungsworte aus 1. Kor. 11, 23 - 29

23aDenn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 25Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. 26Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bbis er kommt. 27Wer nun unwürdig von dem Brot ißt oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. 28Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. 29Denn wer so ißt und trinkt, daß er den Leib des Herrn nicht achtet, der ißt und trinkt sich selber zum Gericht.

Das Abendmahl ist danach etwas, was wir feiern, um uns an das zu erinnern, was Jesus für uns getan hat. Es soll nicht als Druckmittel oder als Kennzeichen von Rechtgläubigkeit eingesetzt werden. Darum ist auch jeder eingeladen, der sich selbst geprüft hat und mit dieser Prüfung vor Gott hintreten kann. Dies ist eine große Freiheit, aber auch eine große Verantwortung.

Ich möchte ???? bitten zuerst für das Brot zu danken.

Als die Jünger aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib

Nun möchte ich ???? bitten, für den Kelch zu danken

Und Jesus nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns

und gebe uns Frieden.

Amen